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Vernissage zur Ausstellung „SHAME – European Stories“

Mit einer sehr gut besuchten Vernissage wurde am 6. Oktober 2026 im Oberen Foyer der Universitätsbibliothek Regensburg die Ausstellung „SHAME – European Stories“ eröffnet. Die Porträts des italienischen Fotografen Simone Padovani zeigen Menschen, die Missbrauch und Gewalt in Familien und Institutionen erlitten haben und sich entschieden haben, mit Gesicht, Namen und ihrer Geschichte sichtbar zu werden.

Zur Eröffnung sprachen Vertreter:innen von Fakultät, Universitätsleitung, Bibliothek und Trägerverein sowie drei Betroffene, zwei von ihnen für den Betroffenenbeirat Regensburg.

Zeugenschaft als Frage der Gerechtigkeit

Dekanin Prof.in Dr. Ute Leimgruber, deren Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Homiletik die Ausstellung mit dem Lehrstuhl für Exegese und Hermeneutik des Neuen Testaments nach Regensburg geholt hat, begrüßte zuerst jene, denen die Ausstellung zu verdanken ist: die Porträtierten, den Trägerverein und den Betroffenenbeirat Regensburg, der die Texte im „schaufenster“ der UB ausgewählt hat.

Als Pastoraltheologin erinnerte sie an 2010, als ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs den Missbrauch an ihrer Schule öffentlich machten. Die katholische Kirche habe ein systemisches Problem, doch Missbrauch sei insgesamt das unsichtbare Massenverbrechen in der Mitte der Gesellschaft.

Mit Carolin Emckes Essay „Weil es sagbar ist“ deutete sie Zeugenschaft als Frage der Gerechtigkeit: Das Schweigen der Betroffenen sei der letzte Triumph der Täter. Wer das Erlittene benennt, gewinnt die Deutungsmacht zurück und sorgt dafür, dass die Scham die Seite wechseln kann.

Macht, Abhängigkeit und Kritik an den Anerkennungsverfahren

Vizepräsidentin Prof.in Dr.in Jenny Oesterle-El Nabbout betonte für die Universitätsleitung, die Verbindung von Macht und Abhängigkeit mache auch vor Universitäten nicht halt und sei kein Problem der Vergangenheit.

Maria Mesrian, 1. Vorsitzende des Trägervereins Umsteuern! Robin Sisterhood e. V. und wenige Tage zuvor mit dem HeldinnenAward der Alice-Schwarzer-Stiftung ausgezeichnet, kritisierte die kirchlichen Anerkennungsverfahren scharf: Entscheidungen würden nicht begründet, Akteneinsicht sei kaum zu erlangen. Solche Verfahren seien selbst eine Form des Machtmissbrauchs. Die von ihrem Verein 2022 in Köln gegründete, spendenfinanzierte Fachberatungsstelle „Leuchtzeichen“ hat nach ihren Angaben in vier Jahren weit über 100 Betroffene begleitet.

„Sprechen Sie mit uns!“

Agnes Wich, selbst porträtiert, brauchte nach eigenen Worten etwa ein Jahr, bis sie der Veröffentlichung ihres Bildes zustimmen konnte. Ihr Appell: hinschauen, die Wunden unter den Narben sehen und sich berühren lassen, denn nur so geschehe Veränderung.

Manuel Druminski, 1. Sprecher des Betroffenenbeirats Regensburg, gab sein Grußwort als Geiger. Betroffensein sei vielfältig und passe in keine Schublade, auch nicht in die der Bilder; dafür wählte er Béla Bartóks Rumänische Volkstänze.

Richard Nusser, 2. Sprecher des Beirats, bat das Publikum: „Kommen Sie mit uns ins Gespräch.“ Betroffene seien schließlich die Expert:innen des Erlebten. Dem Vorwurf, es gehe nur ums Geld, hielt er entgegen: „Wir wollen Gerechtigkeit. Aber auch Geld“, denn viele könnten infolge der Taten nicht so leben, wie es jedem Menschen zusteht.

Dr. André Schüller-Zwierlein, Direktor der Universitätsbibliothek, drehte den Blick schließlich noch einmal um: Nicht wir schauen die Porträtierten an, sie schauen uns an. In den Bildern spreche das Schweigen selbst, als Antwort auf das Schweigen der Täter.

Ausstellung, Ringvorlesung und Begleitprogramm

Die Ausstellung ist bis 15. März 2027 im Oberen Foyer und im „schaufenster“ der Universitätsbibliothek zu sehen. Initiiert wurde sie von der „Justice-Initiative“ der Guido-Fluri-Stiftung (Schweiz), getragen wird sie vom Verein Umsteuern! Robin Sisterhood e. V.

Begleitend läuft bis 27. Januar 2027 die Ringvorlesung „Missbrauch in Institutionen. Sexuelle, spirituelle, systemische Komponenten“, mittwochs von 16 bis 18 Uhr im H18 und per Zoom.